Jazzessenz 2014 im Kiff

Samstag, 22. Feb. 2014 20:15 Uhr

Reto Suhner Nonett COLORS

Beginn: 20:15 Uhr

Reto Suhner - Composition, Alto Saxophone, diverse
Adrian Pflugshaupt - Tenor Saxophone, diverse
Matthias Schopp - Baritone Saxophone, diverse
Lukas Thoeni - Trumpet, Flugelhorn
Mark Gebhart - French Horn
Andreas Schopp - Trombone, Recorder
Antonio Neilen -Menendez De Llano- Tuba
Dominique Girod - Double Bass
Dominik Burkhalter - Drums
Peter Stoffel - Visual Artwork

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Selbst eingefleischte Liebhaber von Schwarzweissfilmen dürften im “richtigen” Leben kaum auf Farben verzichten wollen. Farben haben Signalwirkung. Farben wecken die Sinne. Farben verzaubern. Farben sind ein Faszinosum.

Musik ist eigentlich unsichtbar - und trotzdem sprechen wir von Klangfarben. Tatsächlich gibt es Menschen, die mit bestimmten Klängen bestimmte Farben in Verbindung bringen - der Fachausdruck für dieses Phänomen lautet Synästhesie.

Man muss allerdings kein Synästhet sein, um die belebende Wirkung von Klangfarben zu spüren. Reto Suhner ist kein Synästhet - und trotzdem hat er den Drang verspürt, seine Klangfarbenpalette zu erweitern. Bis dato liess sich der Saxofonist auf den meisten seiner eigenen (alles andere als monochromen!) Aufnahmen von Klavier, Kontrabass und Schlagzeug begleiten.

Für sein Nonett fügt Suhner nun sechs weitere Bläser hinzu, verzichtet aber auf das Klavier – und schafft somit bewusst einen prägnanten Kontrast zwischen kunstvoll arrangierten Ensemble- Passagen und transparent-interaktiven Passagen, in denen die enorm fantasievollen Improvisatoren bloss von Bass und Schlagzeug begleitet werden. So ergibt sich ein spannungsvolles und immer wieder überraschendes Wechselspiel zwischen festen und fliessenden Formen, zwischen Opulenz und Askese, zwischen eher gegenständlicher und eher abstrakter Klangfarbenmalerei.

Die Präsenz von Tuba und Waldhorn verrät Suhners Affinität für die Musik, die Gil Evans für Miles Davis geschrieben hat (Teile dieser Musik hat Suhner als Mitglied des Zurich Jazz Orchestra interpretiert). Diese Affinität mündet allerdings nicht in Epigonalität. Erstens greift Suhner auf eigenes Material zurück (mit einer Ausnahme hat er alle Stücke bereits früher in einem weniger orchestralen Kontext aufgenommen). Und zweitens liess er sich beim Arrangieren in erster Linie von seiner Intuition leiten. Suhner ist überzeugt davon, dass ein gewisses Mass an Zufälligkeit zu mehr Lebendigkeit führt. Um den Zufall kreativ nutzen zu können, braucht es allerdings Risikofreude und blitzschnelle Kombinationsgabe. Dass er über beides in Hülle und Fülle verfügt, hat Suhner als Improvisator zur Genüge bewiesen - nun liefert er mit COLORS sein erstes Meisterstück als Arrangeur ab.

Tom Gsteiger 2013


www.retosuhner.com

Biondini-Godard-Niggli

Beginn: 21:45 Uhr

Luciano Biondini - Accordeon
Michel Godard - Tuba
Lukas Niggli - Drums



"contemporary mediterranian alpine chamber music"

In Schnittpunkten von Kulturen entsteht meistens etwas Spannendes und Neues.

Luciano Biondini und Michel Godard trafen sich erstmals in der Band von Rabih Abou Khalil. Später folgte das Projekt TubaTuba. Schliesslich trafen sie sich erneut im Trio mit dem Cellisten Ernst Reijseger. Daraus ergibt sich ein neues Trio mit dem Schweizer Schlagzeuger Lucas Niggli.


Die Alpen sind zwar die Schnittstellen der drei Musiker. Allerdings dreht sich die Musik der drei nicht um sie, sondern um sie. Biondini verschmelzt mediterrane Klänge mit argentinischen. Godard erzählt grosse musikalische Geschichten über alle Zeitgrenzen hinweg. Und Lucas Niggli bewegt sich hinter seinem Schlagzeug zwischen ziselierten und brachialen Rhythmen. Dabei nutzen die drei Virtuosen ihre Kompositionsvorlagen als ideale Sprungbretter für lustvolle Geschichten. Dabei kitzeln sie manchmal auch die Grenzen gehen ihrer Spieltechniken und Ausdrucksformen. Daraus entsteht eine Seelenmusik voller Energie, Poesie und feinem Witz.

www.lucasniggli.ch